Sonntag, 16. Juli 2017

review: Anschlag von Rechts - Reiner Engelmann

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Hej,
heute geht es um ein Buch, welches eine sehr aktuelle Thematik aufgreift, nämlich Rechtsextremismus gegen Geflüchtete (oder wie ich im Studium gelernt habe: Menschen und Kinder mit Fluchterfahrung). Seit dem ‚großen Ankommen‘ der Geflüchteten ist dies ein Thema, welches wie kein anderes unsere Nation spaltet. Nun hat natürlich jeder, ja auch ich, seine eigene Meinung – die meist leider nur durch mediale Berichterstattung entstanden ist (nur ein Bruchteil hat sich mit den Geflüchteten 1-zu-1 auseinandergesetzt und sich direkt an der ‚Quelle‘ informiert). Natürlich verbreiten sich Nagativmeldungen in der heutigen Zeit wie ein Lauffeuer und dies schürt, im Zusammenhang von Straftaten und Geflüchteten, ein ungutes Gefühl.
Gerade weil ich viel mit diesen negativen Gefühlen konfrontiert werde, nicht Ich-Selbst, aber aus meinem Umfeld, sprach mich der Titel ‚Anschlag von Rechts‘ von Reiner Engelmann direkt an.
Irgendwo in einer Kleinstadt mitten in Deutschland treffen sich drei Freunde auf ein Feierabendbier. In den sozialen Netzwerken haben sie sich schon an ausländerfeindlichen Pöbeleien beteiligt. Nun werden sie zu Verbrechern, denn wenige Stunden später werfen sie einen Molotowcocktail in eine Flüchtlingsunterkunft. Die Bewohner, darunter auch Kinder, entkommen nur knapp.
Reiner Engelmann recherchiert die Hintergründe dieser schrecklichen Tat. Er analysiert die Beweggründe und er befragt die Opfer, die sich in Deutschland endlich sicher gefühlt hatten. Dabei wird deutlich: Rechtes Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und viel zu lange unbeobachtet geblieben.
Und mit diesem Klappentext ist der Inhalt auch schnell erklärt. Es dreht sich alles um den Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft.  Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil geht es um die geflüchteten Familien/ Menschen aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe. Das war für mich der interessanteste Teil. Es war teilweise sehr erschreckend, was die Kinder und Familien gewohnt waren und das ihnen Deutschland beim Schlafen zu ruhig vorkam, weil sie keine Bombeneinschläge oder Gewehrsalven hörten. Dieser Teil hat mich betroffen gemacht. Der Leser bekommt hier einen Einblick in die Gründe der Flucht – mitfühlend beschreibt Engelmann diese ‚Reisen‘. Ein Einblick, der in seiner detailtreue in medialen Berichten viel zu kurz kam.
Die Thematik des zweiten Teils war, wie die Tat sich aufbauschen konnte. Etliche Senarie und Aussagen, wie man sie aus der Presse oder den Medien kannte. Besorgte Bürger nannte man sie immer. Dann die Tat, die Aufklärung, die Beweislast. Die Verteidigung des ‚Warums‘. Erklärungsversuche – der Versuch sich vom Rechtsextremismus zu distanzieren – Fehlverhalten.
Im letzten Teil wird das Urteil verkündet, welches als ‚erstes seiner Art‘ galt und noch hohe Strafen mit sich zog und Engelmann klärt im Anhang noch über diverse Themen zum Buch aus z.B. die Gründe, sein Land zu verlassen. Aber auch viele rechtsextreme Zeichen werden im Anhang erläutert.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und es war sehr einfach und verständlich geschrieben, was wohl an der Altersempfehlung ab 13 Jahren liegt. Dieses Buch hat mich aber auch betroffen gemacht. Die Geschichten der Familien und der Grund ihrer Flucht, vor allem der Verlauf ihrer Flucht, haben mich sehr berührt. Mit all den negativ Schlagzeilen aus den Medien ist daraus ein sehr wirres Bild entstanden. Sehr schockiert hat mich auch, dass die Täter davon ausgingen, dass es keine rechtsextremistisch motivierte Tat ihrerseits gewesen sein soll. Ich finde dieses Buch sollte im Schulunterricht Einzug finden. Wir entwickeln einen Tunnelblick, nicht nur die Lehrenden im Bezug auf ihren Unterricht, sondern auch die Schüler im Bezug auf ihr Lernverhalten bzw. die Inhalte, die sie an sich heranlassen (kennt man von sich selbst).
Was mich an dem Buch bzw. dem Autor sehr positiv gestimmt hat, ist die Tatsache, dass er Sozialpädagoge ist und mit Kinder zusammenarbeitet. Seine vorherigen Werke hatten ihren Schwerpunkt im den Bereichen: Mobbing, Kinderrechte, Zivilcourage und Auschwitz. Wichtige Themen, welche oft in Vergessenheit geraten, gerade im Bereich der jüngeren Leser.

Dienstag, 27. Juni 2017

Das Scherbenhaus von Susanne Kliem

Hej,

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Puh, endlich ist die letzte Präsenzphase des 5. Semesters um - somit auch die Prüfungen. Ich habe auch nicht mehr viel, was ich bis zum Ende des Semesters ausarbeiten muss und kann mich jetzt mit ein paar Büchern zurücklehnen. So konnte ich auch mal wieder einen Psychothriller lesen - hach, es ist einfach mein Lieblingsgenre.
Jedes Haus birgt Geheimnisse. Doch in diesem lauert der Tod.Carla erhält seit Monaten anonyme Drohbriefe und wird von Angstattacken geplagt. Als sich die Chance ergibt, in ein hochmodernes Wohnhaus nach Berlin zu ziehen, freut sie sich auf den Neuanfang. In Ihrem perfekt abgesicherten Smart Home und der engen Hausgemeinschaft fühlt sie sich beschützt. Doch dann gibt es immer mehr alarmierende Vorfälle, und Carla ahnt, dass der Feind gar nicht von außen kommt. Er ist schon längst bei ihr ...
Der Klappentext hat mich total neugierig gemacht, da es sehr viel Potenzial bietet, wenn ein Haus voller Technik involviert ist. Beim Lesen überraschte es mich sehr, dass das Buch einen Teil in meiner Heimatstadt Stade spielte. In Hamburg spielen ja viele Werke, aber in Stade - das war auf der einen Seite komisch, auf der anderen wusste ich sofort, wie die Umgebung aussah und fühlte mich heimisch. Heute wohne ich nur ein paar Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt (die auch Erwähnung in dem Buch fand).

Ich muss gestehen, dass ich mit Carla überhaupt nicht warm geworden bin. Ich mag solche unsicheren, teils sehr naiven Charaktere nicht - natürlich darf sie verängstigt sein (sie wurde gestalkt, zwar nicht so extrem, wie man es nach dem Klappentext erwartete), aber sie bot keinen Nährboden für den kleinsten Funken Sympathie. Auch die Bewohner aus dem Haus ihrer Halbschwester fand ich alle furchtbar gekünstelt und unsympathisch - am Schlimmsten fand ich Milan Wagner. Dumm und platt. Jule wirkte sympathisch und kam mir immer als Einschub vor, damit man die Lust am Lesen nicht verlor. Jule hätte ich sehr gerne als Hauptcharakter gehabt :D Und Ellen ... nun ja. Von der Guten konnte ich mir so gar kein Bild machen, weil sie so schnell wie sie auftauchte, auch wieder verschwand. Den einzigen, den ich halbwegs sympathisch fand, war Christian - aber leider auch erst auf den letzten 20 Seiten des Buches. Vorher verhielt er sich einfach furchtbar. Noch nie habe ich beim Lesen so oft mit den Augen gerollt und ein Buch beiseite gelegt.

Auch, wenn ich die Charaktere schwach fand, hatte Kliem ein gutes Gefühl für das Erschaffen der richtigen Atmosphäre. Es wirkte oft düster und bedrohlich, ohne das dies vieler Worte bedurfte. Ihre Beschreibungen waren präzise und zielgerichtet - aber ein aalglattes, perfektes Haus ist auch eine tolle Grundlage zum Unwohlfühlen :) und ein altes, knarrendes Reetdachhaus auch :D Leider nutzte sie das Haus so gar nicht für ihre Geschichte. Es wurde zwar oft erwähnt, was alles technisch gesteuert wurde, aber im Endeffekt spielte dies für den Verlauf der Geschichte kaum eine Rolle. Leider - da steckte sehr viel Potenzial drin für eine Menge Nervenkitzel.

Alles in allem fand ich die Grundidee sehr gut, aber die Umsetzung gefiel mir nicht. Die Geschichte war mir zu langatmig, Carla war entweder zu ängstlich oder viel zu neugierig, sodass es nicht zu dem Charakter passte, den man für sie aufbaute. Und ihre Stärken gerieten durch ihre naiven Züge komplett in den Hintergrund. Irgendwann dachte man nur noch:"Oh, Carla ..." und wollte sie für ihre Naivität in den Arm nehmen. Alle anderen Charaktere aus dem Safe Haven reagierten immer unangemessen - auch mit der Auflösung am Ende kann ich mir viele Reaktionen nicht erklären oder nachvollziehen. Diese haben das Buch für mich nicht spannend gemacht, sondern auf Dauer genervt. Einzig und allein die Tatsache, dass mir nicht sofort klar war, wer hier der Bösewicht ist, hat mich das Buch beenden lassen. Einen weiteren Teil würde ich nicht lesen wollen.
Was mir noch sauer aufgestoßen ist, ist die Pressestimme auf dem Buchrücken. Ich bin kein Fan davon, aber ich mag es gar nicht, wenn darauf ein Loblied zu einem vorherigen Werk der Autoren steht. Das hat meine Erwartungen ziemlich hochgesteckt, diese wurden mit diesem Buch ganz schön enttäuscht. Leider.

Unter dem Genre Psychothriller würde ich das Buch nicht laufen lassen, da ich zu keinem Zeitpunkt beim Lesen dieses mulmige Gefühl hatte, was Thriller oft auslösen. Ich war regelrecht gelangweilt und wartete nur, dass endlich etwas Spannung aufkam. Das Potenzial war definitiv gegeben - dieses wurde von der Autorin durch die permanent komischen Verhaltensweisen der Charaktere allerdings gnadenlos niedergemäht. Als wäre zum Ende meine Langeweile der Geschichte gegenüber nicht schon groß genug gewesen, war das Ende auch noch unglaublich schlecht. Das war so ein typisches ARD-Tatort oder Spielfilm-Ende (und wenn es um sowas geht, stinken deutsche Filme gerne gegen bspw. amerikanische Filme ab - denn wir überspitzen es immer so und es wirkt alles so steif, unrealistisch und langweilig).
Ich kann dieses Buch weder empfehlen, noch nicht-empfehlen. Da muss sich jeder selbst ein Bild von machen.
Susanne Kliem - Das Scherbenhaus - carl'sbooks Verlag - Broschiert - 14,99 € - 332 Seiten




Freitag, 26. Mai 2017

Schwesterherz von Kristina Ohlsson


Hej.

Ich merke doch, dass hier noch immer viel los ist. Schaut doch auf meinem neuen Blog vorbei:

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Da geht es in neuem Design und mit neuer URL wie gewohnt weiter. Themen wie Fitness (wird jetzt wieder stärker behandelt), Nähen und natürlich Bücher werden dort ausführlich vorgestellt :) Über Besuche und bleibende Leser, wie auch hier, würde ich mich freuen.

So, nun aber schnell zur Rezension zu diesem wundervollen Buch.

Ich habe gerade einen tollen Krimi von Kristina Ohlsson beendet und am 13.06.2017 erscheint schon der zweite Teil 'Bruderlüge'. Ein neuer schwedischer Ermittler, in einer Miniserie mit 2 Bänden. Und nach diesem grandiosen ersten Teil, brauche ich unbedingt auch den Zweiten!! Ich muss doch wissen, wie es weitergeht! 'Schwesterherz' hat sich als unglaublich gutes Buch entpuppt und mich mit so einem spannenden Ende zurückgelassen. Das geht doch nicht :D Wer Lust auf ein Interview mit Kristina Ohlsson hat, kann HIER einmal vorbeischauen und wer beide oder ein Buch besitzt, kann auch bei Lovelybooks an der Tandem-Leserunde teilnehmen.
Am Tag, an dem diese Geschichte ihren Anfang nimmt, regnet es. Ein verzweifelter Mann stürmt ins Büro von Martin Benner und bittet den Anwalt, einen Fall zu übernehmen. Den seiner Schwester, einer fünffachen Serienmörderin, bekannt als Sara Texas. Allerdings gibt es einen Haken: Seine Schwester ist längst tot. Und niemand weiß, warum ihr kleiner Sohn seitdem verschwunden ist. Nur wenn dieser aussichtslose Fall erneut aufgerollt wird, kann das Kind gerettet werden. Benners Neugier ist geweckt, und er nimmt das Mandat an ...
Das Buch beginnt damit, dass Protagonist Martin Benner mit einem Journalisten ein eher ungewöhnliches Interview führt. Seine Geschichte solle erzählt werden und zwar wahrheitsgemäß, weil sie so klischeebehaftet sei. Und da gebe ich ihm recht, dass ist diese Geschichte wirklich. Anfangs hat sich mir dieses Interview überhaupt nicht erschlossen. Zum Ende hin verstand ich es dann.
Ohlsson hat mit Martin Brenner mal einen ganz anderen Protagonisten geschaffen: Kühl, verwegen und - sagen wir - egoistisch und untreu. Auf der anderen Seite aber auch aufopfernd und versteckt liebevoll. Martin durchlebt im Laufe der Geschichte eine unglaubliche Wandlung, das hat mir sehr gefallen, da diese Entwicklung spürbar war. Trotz seiner etwas eigenen Art, gefiel mir Benner. Es war mal etwas anderes und erfrischend. Auch Lucy gefiel mir. Sie war kein Dummerchen und keine Marionette, sie hatte ihren eigenen Kopf. Sie wirkte nicht wie ein Lahmer Sidekick, sondern fügte sich super in die Geschichte ein. Alle Nebencharaktere machten für mich Sinn und keiner reizte seinen Auftritt aus oder wirkte überflüssig. Gerade die amerikanischen Sheriffs wirkte - wie im TV - arrogant und bedrohlich.
Die Story fand ich klasse. Sehr verwirrend, aber durchdacht. Es machte richtig Spaß mitzufiebern und eigene Schlüsse zu ziehen. Zu Beginn war es so verworren, aber mit jedem Puzzleteil kamen neue Erkenntnisse dazu und machten die Geschichte eher spannender und warfen neue Fragen auf, als das sie welche lösten. Grandios! Stück für Stück kam man jedoch der Auflösung immer näher, ohne dass es übertrieben oder gar unrealistisch wirkte. 
Mir gefiel ebenfalls der Mix aus europäisch-bekanntem und dem amerikanisch-unbekanntem Terrain. Die Korruptionen innerhalb mächtiger Organisationen und Menschen wie Boris! Das war übrigens mein Lieblingscharakter, herrlich. Die Stimmung war angespannt und rasant. Zwischendurch musste ich mal schmunzeln, da Martin gern mal einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte, wenn er sauer war. Die Geschichte war nicht nur düster und hoffnungslos, sondern auch mal witzig - oft wohl eher aus Verzweiflung. 
Für mich ein solides Buch, mit viel Spannung. logischen Ereignissen und darauf basierenden Ermittlungen. Leichter, flotter Schreibstil mit einem Hand zur unfreiwilligen Komik des Protagonisten und einer Menge Flüchen - aber das mag ich, ich fluche selbst sehr viel. Dieses Buch ist eins, das mir seit Langem wieder vollkommen gefallen hat, den Leser nur mit einem unverschämten Ende zurücklässt. Ein unverschämter Abbruch der Story, so ist man gezwungen den zweiten Teil zu lesen. Ich glaube niemand könnte mit diesem Ende leben :D 
1000%ige Leseempfehlung!! Ich fand es grandios.