[Rezension] Mein Kind hat deine Läuse von Isabel Völker

Hallo ihr Lieben,

heute bekam ich Post vom Berlin Verlag. Ich hatte beim Lesen meiner Lieblingsblogs auf Sternstunden ein tolles Buch entdeckt. Freya ist genau wie ich Erzieherin und erzählt viel aus ihrem Leben und da fiel mir dieses Buch auf.
Beim Schokoriegel hört der Spass auf - was engagierte Eltern heute bewegt.
Jeder kennt sie, die hochemotional geführten Diskussionen in Kita-Foren, auf Elternabenden und in seitenlangen E-Mails, die jeder politischen Debatte Konkurrenz machen.
Isabel Völker präsentiert eine hinreißend komische Kostprobe moderner Eltern-Korrespodenz.
Als ich das Buch sah und den Klappentext gelesen habe, wusste ich - das ist ein Buch für mich. Eltern und Erzieher werden es kennen. Die ewigen Auseinandersetzungen der Eltern über gewisse Themen - endlose Debatten, meist ohne genaues oder unzufriedenes Ergebnis.Ich erlebe es manchmal bei uns im Flur vor der Gruppe, dass Eltern sich anstacheln und mit einigen Dingen unzufrieden sind und einem gerne ihren Stempel aufdrücken wollen - weil sie ja alle das Pädagogenwissen mit dem Sparten gefressen haben :D
Gott sei Dank kommt sowas nur selten vor und ich möchte gar nicht wissen, ob in meiner Gruppe auch solch E-Mailverkehr stattfindet.

So nun aber zum Buch.
Aufgebaut ist 'Mein Kind hat deine Läuse' im E-Mailverlauf. Eltern oder Elternvertreter aus Kita, Kinderladen und Grundschule schreiben sich wichtige Themen von der Seele und treten so oft ungnädige Diskussionen frei.
Nicht immer sind sich alle einig, das kennt man ja zur Genüge und einige vergreifen sich im Ton. Und schon ist der Teufel los und man beruft Konferenzen ein oder schneidet gewisse Elternpaare.

Es war sehr amüsant die verschiedenen Anliegen der Eltern zu lesen, wie sie zu den Dingen stehen und was sie daran hindert eine gemeinschaftliche Lösung zu finden.
Was ich nicht mehr amüsant fand - aber das ist vielleicht die Sicht der Erzieherin - war, dass oft die Kompetenz der Erzieher/Lehrer in Frage gestellt wurde.
Es gibt bestimmt in jedem Berufszweig mal schwarze Schafe, aber meist haben gewisse Maßnahmen auch einen tiefen Sinn, den nicht jeder Hobbypädagoge sofort sehen mag.
Am meiste hatte mich aber das Kapitel über die Schließzeiten erschreckt - ich hoffe nicht, dass unsere Eltern so denken. Hier mal ein Zitat:

Von: Tanja und Martin
Betreff: Re: Geschlossen
Datum: 23. Oktober 2013 17:22:42
An: Anja
Kopie: alle

Hallo Anja,
bist Du sicher, dass das die Termine sind? Wir sind uns ziemlich sicher, dass das mal anders veranschlagt wurde - bei so vielen Tagen kann etwas nicht stimmen. wenn das so bleiben sollte, fragt man sich wirklich, ob die denken, dass wie alle Hausfrauen und -männer sind und nur darauf warten, dass wir die Kinder zu Hause lassen können ...
Sei doch so lieb und check das nochmal.
Liebe Grüße,
Tanja/ Martin (Tomke)

Perfektes Beispiel dafür, dass einigen Eltern wohl entfällt, dass Erzieher/Lehrer auch Familie haben und normal arbeitende Menschen sind.
Das Traurige ist - so lustig das Buch auch ist - dass es echte E-Mails sind.
E-Mails in denen Eltern sich beschweren, dass das Kita-Personal zu wenig Ausflüge mit den Krippenkindern macht. E-Mails in denen die Schließzeit bemängelt wird und E-Mails in denen die Eltern sich beklagen, dass die Kinder nach Schule und Hort doch bitte keine Hausaufgaben mehr zu machen haben.

Die heutige Zeit ist so entwicklungsreich und arbeitsintensiv geworden, dass Eltern eine Betreuungszeit von 7 - 18 Uhr (oder länger) wünschen und das schon für die Kleinen. In der Zeit soll man möglichst kindlich, aber doch mit vielen Angeboten (Kunst, Musik, Ausflüge - am besten schon Englischunterricht) das Kind bespassen und wird dafür immer und immer wieder wegen der pädagogischen Hintergründe in Frage gestellt - warum Kinder nicht Kind sein lassen und nicht unter Dauerbeschallung setzen?
In der Schule wendet sich dann das Blatt - da muss man sich ja ein bisschen mehr nach der Schule richten, was in der Kita ja nicht angehen kann.
Dort sind die Kinder plötzlich überfordert mit zu vielen Angeboten und vor allem mit Hausaufgaben.

Auf der einen Seite kann man es sehr gut nachvollziehen, dass Eltern nur das Beste für ihre Zwerge wollen - da müssen sie dann aber auch die 'Profis' mal machen lassen und ggf. das Gespräch mit dem Verantwortlichen suchen.

Dieses Buch zeig auf lustige Weise, dass man sich über solche Mailinglisten einfach nur missversteht und nicht wirklich auf einen Punkt kommt. Geschriebene Worte ersetzen auf keinen Fall die gesprochenen - ein Gespräch kann schnell ein Problem lösen. Jedes Elternteil sollte die Zeit finden - zumindest in der Kita, da ist es täglich möglich - das Gespräch zu suchen und seine Ängste und Wünsche mitzuteilen. Dann entstehen solche Situationen von überangagierten Eltern gar nicht erst :)
Lustige Unterhaltung für zwischendurch. Ich habe das Buch in einem Rutsch beendet und musste mehrmals sehr herzlich Lachen. Ein Buch für Erzieher und Lehrer, die interessiert sind, wie engagierte Eltern so kommunizieren und für überengagierte Eltern, um mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu kommen.
Kein literarisches Meisterwerk (da es zusammengefügte E-Mails sind), aber für einen grauen Herbsttag oder einen warmen Strandtag genau das Richtige. Ich würde es immer wieder lesen :)



Kommentare

  1. Klasse, dass du das Buch auch gelesen hast! Es erinnert doch schon sehr an die Arbeit :-D
    Und ich hoffe, dass es viele Eltern lesen werden!

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