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review: Anschlag von Rechts - Reiner Engelmann

Hej,
heute geht es um ein Buch, welches eine sehr aktuelle Thematik aufgreift, nämlich Rechtsextremismus gegen Geflüchtete (oder wie ich im Studium gelernt habe: Menschen und Kinder mit Fluchterfahrung). Seit dem ‚großen Ankommen‘ der Geflüchteten ist dies ein Thema, welches wie kein anderes unsere Nation spaltet. Nun hat natürlich jeder, ja auch ich, seine eigene Meinung – die meist leider nur durch mediale Berichterstattung entstanden ist (nur ein Bruchteil hat sich mit den Geflüchteten 1-zu-1 auseinandergesetzt und sich direkt an der ‚Quelle‘ informiert). Natürlich verbreiten sich Nagativmeldungen in der heutigen Zeit wie ein Lauffeuer und dies schürt, im Zusammenhang von Straftaten und Geflüchteten, ein ungutes Gefühl.
Gerade weil ich viel mit diesen negativen Gefühlen konfrontiert werde, nicht Ich-Selbst, aber aus meinem Umfeld, sprach mich der Titel ‚Anschlag von Rechts‘ von Reiner Engelmann direkt an.
Irgendwo in einer Kleinstadt mitten in Deutschland treffen sich drei Freunde auf ein Feierabendbier. In den sozialen Netzwerken haben sie sich schon an ausländerfeindlichen Pöbeleien beteiligt. Nun werden sie zu Verbrechern, denn wenige Stunden später werfen sie einen Molotowcocktail in eine Flüchtlingsunterkunft. Die Bewohner, darunter auch Kinder, entkommen nur knapp.
Reiner Engelmann recherchiert die Hintergründe dieser schrecklichen Tat. Er analysiert die Beweggründe und er befragt die Opfer, die sich in Deutschland endlich sicher gefühlt hatten. Dabei wird deutlich: Rechtes Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und viel zu lange unbeobachtet geblieben.
Und mit diesem Klappentext ist der Inhalt auch schnell erklärt. Es dreht sich alles um den Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft.  Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil geht es um die geflüchteten Familien/ Menschen aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe. Das war für mich der interessanteste Teil. Es war teilweise sehr erschreckend, was die Kinder und Familien gewohnt waren und das ihnen Deutschland beim Schlafen zu ruhig vorkam, weil sie keine Bombeneinschläge oder Gewehrsalven hörten. Dieser Teil hat mich betroffen gemacht. Der Leser bekommt hier einen Einblick in die Gründe der Flucht – mitfühlend beschreibt Engelmann diese ‚Reisen‘. Ein Einblick, der in seiner detailtreue in medialen Berichten viel zu kurz kam.
Die Thematik des zweiten Teils war, wie die Tat sich aufbauschen konnte. Etliche Senarie und Aussagen, wie man sie aus der Presse oder den Medien kannte. Besorgte Bürger nannte man sie immer. Dann die Tat, die Aufklärung, die Beweislast. Die Verteidigung des ‚Warums‘. Erklärungsversuche – der Versuch sich vom Rechtsextremismus zu distanzieren – Fehlverhalten.
Im letzten Teil wird das Urteil verkündet, welches als ‚erstes seiner Art‘ galt und noch hohe Strafen mit sich zog und Engelmann klärt im Anhang noch über diverse Themen zum Buch aus z.B. die Gründe, sein Land zu verlassen. Aber auch viele rechtsextreme Zeichen werden im Anhang erläutert.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und es war sehr einfach und verständlich geschrieben, was wohl an der Altersempfehlung ab 13 Jahren liegt. Dieses Buch hat mich aber auch betroffen gemacht. Die Geschichten der Familien und der Grund ihrer Flucht, vor allem der Verlauf ihrer Flucht, haben mich sehr berührt. Mit all den negativ Schlagzeilen aus den Medien ist daraus ein sehr wirres Bild entstanden. Sehr schockiert hat mich auch, dass die Täter davon ausgingen, dass es keine rechtsextremistisch motivierte Tat ihrerseits gewesen sein soll. Ich finde dieses Buch sollte im Schulunterricht Einzug finden. Wir entwickeln einen Tunnelblick, nicht nur die Lehrenden im Bezug auf ihren Unterricht, sondern auch die Schüler im Bezug auf ihr Lernverhalten bzw. die Inhalte, die sie an sich heranlassen (kennt man von sich selbst).
Was mich an dem Buch bzw. dem Autor sehr positiv gestimmt hat, ist die Tatsache, dass er Sozialpädagoge ist und mit Kinder zusammenarbeitet. Seine vorherigen Werke hatten ihren Schwerpunkt im den Bereichen: Mobbing, Kinderrechte, Zivilcourage und Auschwitz. Wichtige Themen, welche oft in Vergessenheit geraten, gerade im Bereich der jüngeren Leser.

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